#WSXD 2020 Nachbericht

Wandel der Arbeit – menschlich, digital, nachhaltig.

Unter diesem Motto fand am 1.10.2020 der zweite Work Smart Experience Day (#WSXD) mit 70 Teilnehmern statt. Mit viel Energie, Ausstrahlung und Neugierde hat unser Moderationsteam Anna Wolf und Anna Ploeger sie in einen spannenden Tag mitgenommen.

Unserem Motto sind wir dabei durchweg treu geblieben: mit der Interaktion aller Teilnehmer und Referenten auf Augenhöhe, mit dem Corona-bedingten online Format der Veranstaltung und lebendigen Diskussionen der Inspirierten nachträglich Neues auszuprobieren.

Ausschließlich digital wollten wir den #WSXD 2020 aber dann doch nicht halten. Alle Teilnehmer erhielten im Vorfeld einen Umschlag mit Sponsorengeschenken und natürlich dem Tagesprogramm und weiteren Informationen. 

 

Ein Überblick - das war der #WSXD 2020

Die Podiumsdiskussion

Auftakt zum #WSXD 2020 gab eine Podiumsdiskussion rund um unser Motto. Unser hochkarätiges Panel war besetzt mit Yasemin Yazan, Peter Adelskamp und Dr. Bernd Banke. Anstoß zur Diskussion gab Peter mit einer Schilderung des Digitalisierungsprojektes der Stadt Essen. Im Zuge der Corona-Krise wurden Maßnahmen getroffen, wie sie in vielen anderen Unternehmen auch vorgekommen sind: Mitarbeiter wurden ins Homeoffice geschickt und waren dort mit technischen Herausforderungen und neuen Arbeitsweisen konfrontiert. Nun gilt es den Fortschritt aus den letzten Monaten beizubehalten. Unsere Referenten tauschten sich zu den folgenden Themen aus.

 

Führung und soziales Miteinander
Durch das digitale Arbeiten hat sich das soziale Miteinander verändert. Die Gespräche in der Kaffeepause oder kurz vor einem Meeting sind weggefallen. Hier sind Führungskräften in der Verantwortung eine neue „virtuelle Kaffeeküche“ zu schaffen. Neben dem sozialen Miteinander hat auch die Work-Life Balance von Arbeitnehmern in den letzten Monaten gelitten. Teil der Problematik sind die ständige Erreichbarkeit im Homeoffice, aber auch der verstärkt direktive und dissonante Führungsstil von Führungskräften. In der Krise war dies hilfreich schnelle Entscheidungen zu treffen, darf sich jetzt aber nicht festsetzen. Kurz gesagt, Führen auf Distanz muss neu gelernt werden.

 

Vielzahl von Tools
In den letzten Monaten wurden eine Vielzahl von neuen Werkzeugen zum digitalen Arbeiten ausprobiert, jedoch sind die vollen Möglichkeiten noch immer nicht jedem bekannt. Hier besteht die Notwendigkeit für einen Verantwortlichen, der eine Auslotung solcher Werkzeuge und deren strategische Einsetzung fortlaufend prüft. Zusätzlich führt der Einsatz von einer Vielzahl von Tools zu einem stetigen Strom an Informationen über die verschiedensten Kommunikationswege. Mitarbeiter können diesen stetigen Strom nur noch schwer bewältigen. Entlastung ist dringend gefragt.

 

Das neue Normal
Für die Zukunft braucht es Werkzeuge, die sowohl im Büro als auch im Homeoffice flexibel genutzt werden können. Nur so können wir die nötige Agilität gewehrleisten, um in diesen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Dabei dürfen alte Strukturen und Arbeitsabläufe nicht einfach 1-zu-1 in den digitalen Kontext umgesetzt werden. Es muss fortlaufend analysiert werden, welche Prozesse weiter sinnhaft sind. Das Ganze muss in ein neues Regelwerk eingebettet werden, welches den nötigen Rahmen und die nötige Sicherheit gibt, aber trotzdem genug Flexibilität zulässt.

 

Unsere Referenten sind sich einig: Wir müssen den Weg zu einem neuen Normal finden. Dies braucht vor allem Mut Neues auszuprobieren. Also traut euch!
Mehr über die Podiumsgäste erfahren: Yasemin Yazan, Peter Adelskamp 

 

 

Keynote mit Raphael Gilgen

Raphael ist Visionär und zeichnet für uns verbal ein Bild der Zukunft. Die Koordinaten für ein neues Jahrzehnt. Wie sich Unternehmen erneuern und global vernetzen sowie lokal geerdet Zukunft gestalten. Hier zum Interview im Video.

 

Q&As

In diesem Format durften wir tief in echte Unternehmensbeispiele eintauchen. Unsere Referenten berichteten von ihren Best Practices aber auch ungeschönt welchen Herausforderungen sie täglich beim angestrebten Kulturwandel gegenüberstehen.

 

Maike Küper ist im einstiegen Familienunternehmen Dr. Oetker als Agile Coach und Kulturentwicklerin tätig. Gemeinsam mit ihren Teamkollegen streben sie einem nutzerzentrierten Wandel im Unternehmen an. Das heißt, es gilt nicht jedem die gleichen Methoden aufzuzwingen, sondern ganz individuell mit den verschiedenen Teams im Unternehmen an ihren aktuellen Problemen zu arbeiten. Dafür werden in Workshops Strukturen, Prozesse und Methoden hinterfragen und Neues ausprobiert. Wer durch die Firmenzentrale geht, wird schnell merken, dass es bei weitem nicht so hip ist, wie vielleicht bei den Tech-Riesen im Silicon Valley. Aber das muss es bei Dr. Oetker gar nicht sein, Mit dem von Maike beschriebenen Vorgehen lässt sich schrittweise viel bewirken, um langfristig und nachhaltig einen Wertewandel etablieren. Wobei weniger Kontrolle, Vorgaben oder das eigene Ego im Vordergrund stehen sollen, sondern viel mehr Transparenz, Eigenverantwortung, Risikobereitschaft und Wir-Denken.

 

Anna und Nils Schnell von MOWOMIND teilten ihre Erfahrungen aus ihrer Modern Work Tour. Sie bereisten 34 Ländern auf 4 Kontinenten und gaben über 100 Workshops in zahlreichen Unternehmen, vom KMU bis zum internationalen Konzern. Es gab einige spannende Anekdoten aus den Workshops und persönlichen Begegnungen mit den Menschen vor Ort.

Doch vor allem wurde deutlich, dass ganz egal ob in Australien, Afrika oder Deutschland, ob kleines oder großes Unternehmen, bei der Digitalisierung und einem angestrebten Kulturwandel haben alle die gleiche Herausforderung: die Bedürfnisse der Menschen im Unternehmen müssen Beachtung finden, um gemeinsam neue Wege zu gehen. Um kreativ neue Lösungen entwickeln zu können, braucht es vor allem Freiheiten zum Ausprobieren und den Mut auf dem Weg dahin auch Fehler zu zulassen. Mehr erfahren 

 

Friederike Wurth hat bereits vorab davon berichtet, wie einst der Kulturwandel und der Aufbau neuer Arbeitsstrukturen in ihrem Team seinen Anfang nahm (Mehr erfahren). Als Digital Transformation Managerin bei BASF Agricultural Solutions streben sie und ihr Team nun die Revolution im gesamten Konzern an. Ihre Mission: Durch die Digitalisierung einen Beitrag zu Leisten - für eine gute Zukunft der Gesellschaft, der Kunden, des Geschäfts und der eigenen Mitarbeiter.

Den angestrebten Wandel auf das ganze Unternehmen auszurollen, ist in einem traditionsreichen Unternehmen, in dem nicht nur Mitarbeiter, sondern teilweise auch ihre Familien über Jahrzehnte tätig sind, nicht immer einfach. Hier gilt es in vielen Gesprächen den Wünschen und Ängsten der Beschäftigten ein Gehör zu geben und gemeinsam Strategien zu entwickeln, die für alle Seiten Mehrwerte liefern. Diese können je nach Unternehmensbereich ganz unterschiedlich ausgestaltet werden. Beispielsweise mehr Tätigkeiten aus dem Homeoffice in der Verwaltung oder ein Innovation Lab fürs Labor.

 

Breakout Sessions und Aktive Pausen

Wir wollten den #WSXD 2020 besonders aktiv gestalten. Deshalb gab es zwischen den Q&As und Workshops immer wieder Breakout Sessions in denen sich die Teilnehmer in kleinen, zufälligen Gruppen austauschen und Kontakte knüpfen konnten. Networken geht eben auch online!

Doch damit nicht genug. Arbeiten kann nur dann nachhaltig sein, wenn auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters berücksichtigt werden. Und dazu gehört auch die sportliche Betätigung! In diesem Sinne gab es am #WSXD 2020 drei sportliche Energizer unter der Leitung von Gerardo Lopez von der Techniker Krankenkasse. Wir hatten eine Menge Spaß den Bürostuhl zu verlassen und unsere Muskeln spielen zu lassen!

 Aktive Pause

 

Workshops

Matthias Weber - Anforderungen an moderne Führung, Diversity schafft Mehrwert!

Wir Menschen sind in vielen Facetten unterschiedlich: Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter und vieles mehr. Manchmal sind diese Unterschiede sichtbar, doch oft auch nicht. Aus diesem Grund ist Diversity, oder zu Deutsch Vielfalt, keine Ja-Nein Entscheidung. Jedes Team ist zu einem gewissen Grad divers. Die Frage ist wie viel Vielfalt braucht ein Team und wie kann es optimal geführt werden. Besonders in hoch diversen Teams ergeben sich besondere Herausforderung. Je mehr Vielfalt, desto höher ist das Potenzial für Reibungen und Diskussionen im Team. Diese müssen durch die richtige Führung ausbalanciert werden.

Dennoch hat es für Unternehmen Vorteile auf Vielfalt zu achten und nicht zu unterdrücken. Arbeitnehmer können sich heutzutage vermehrt aussuchen wo sie arbeiten. Dabei sind ein offenes Arbeitsklima und Wohlfühlen im Team ein triftiger Grund in einem Job zu bleiben oder den Arbeitnehmer zu wechseln. Auf der anderen Seite beansprucht das Verstecken von Anderssein seitens des Arbeitnehmers Ressourcen und Energie, welche nicht mehr in die Arbeit für das Unternehmen investiert werden. Diversity kann also zur Wertsteigerung des Unternehmens beitragen. Mehr erfahren

 

André Claaßen - OKR in der öffentlichen Verwaltung: Ziele setzen, Ziele erreichen!

Die öffentliche Verwaltung steht vielerorts vor großen Herausforderungen: Modernisierungserfordernis, Digitalisierung, Transparenz. Dabei liegt der Fokus eher auf der Kostenkontrolle anstatt der Wirkungskontrolle. Genau hier setzt André mit dem System zur Mitarbeiterführung Objectives and Key Results ein. Wir müssen lernen von rechts nach links zu denken. Von den Zielen her und nicht von den einzelnen Arbeitsschritten.

Die Objectives sind die übergeordneten Ziele, der Nordstern, der Kompass. Sie geben Orientierung und Motivation. Daraus leiten sich verschiedene Key Results ab. Dies sind klar definiert und messbar. Doch wir haben nicht nur zugehört, sondern OKR auch direkt ausprobiert. Dabei haben wir gelernt, dass OKRs nicht nur eine Methode für die öffentliche Verwaltung sind. Ob als Einzelperson, als Team oder ganzes Unternehmen: OKRs sind vielseitig einsetzbar. Mehr erfahren

 

Birgit Wintermann - Digitales Arbeitsrecht - rechtssicher und praxisnah in die Arbeitswelt der Zukunft

Ob Arbeitsschutzgesetz, Arbeitszeitgesetz oder Bildschirmarbeitsverordnung, in kaum einem Land gibt es so viele Regelungen wie in Deutschland. Bei der flexiblen Gestaltung der Arbeitswelt im Rahmen des Rechtlichen zu bleiben ist dabei gar nicht so einfach. Doch Birgit hat uns aktuelle Stolpersteine aufgezeigt. Entspricht dein Homeoffice den rechtlichen Anforderungen? Kennst du den Unterschied zum mobilen Arbeiten? Wie passt das Konzept der Vertrauensarbeitszeit zu einem neuen Urteil des EuGHs zur Erfassung von Arbeitszeit? Und wo sind eigentlich die rechtlichen Grenzen von selbstorganisierten Teams? Wir haben in den letzten Monaten Fortschritte hin zu einer modernen Arbeitswelt gemacht. Nun muss das bestehende Recht sinnhaft nachgezogen werden. Mehr erfahren

 

John Lack - Selbstorganisierte Teams, die Basis für Neues Arbeiten stärken

Teams, die sich zukunftsfähig aufstellen wollen, setzen vermehrt auf Selbstorganisation. Mitarbeiter sollen in ihrer Eigenverantwortung gestärkt werden und sich eigenständig in die Aufgaben einbringen, bei denen Sie den meisten Mehrwert erbringen. Doch der Wandel von klassischen Hierarchien hinzu einem Unternehmen mit selbstorganisierten Teams kann nicht von heut auf morgen erfolgen. Zunächst gilt es das passende Mindset zu entwickeln, passende Methoden kennen zulernen und auszuprobieren und so schrittweise die Arbeitsabläufe und Strukturen neu aufzubauen. Dabei ist die Lösung nicht: „alle machen jetzt Scrum“. Es muss nicht immer gleich die Gesamtorganisation auf den Kopf gestellt werden. Vielmehr ist es empfehlenswert im Kleinen, beim Team anzufangen, hier Erfahrungen zu sammeln und dann nach und nach in eine selbstorganisiertere Arbeitsweise zu kommen (Mehr erfahren). Damit dies gelingen kann, ist eins wesentlich: die Entscheidungskompetenzen müssen an die Aufgabenverantwortlichen gekoppelt und nicht mehr rein an Hierarchien aufgehängt werden. Denn nur so können Mitarbeiter ihre Aufgaben eigenverantwortlich umsetzen. Dies kann irgendwann soweit gehen, dass auch die Entscheidungen über die Verteilung der anstehenden Bonuszahlung im Team selbst getroffen wird. Mehr über New Pay erfahren

 

Marc Eichborn - Interne Innovationsprozesse und Veränderung der Arbeit gestalten, am Beispiel von Innovation-Labs und Teamwerkstätten

Um als Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein zu können, gilt es sich flexibel an geänderte Anforderungen anpassen zu können und Innovationen zu fördern. Doch dafür braucht es das passende Mindset, modernes Handwerkszeug und (digitale) Kompetenzen. Das niemand davor bewahrt ist in alte Muster zu verfallen, hat Marc den Teilnehmern direkt am Anfang seines Workshops mit einem Schaubild klargestellt. Darauf zu sehen: fünf mathematische Gleichungen. Auf die Frage was die Teilnehmer sehen, gab es reihenweise die Antwort: „Eine Gleichung ist falsch.“ Diese Beobachtung war zwar korrekt, doch was deutlich wurde: wir sind darauf trainiert die Fehler zu suchen und anzusprechen. Doch die 80 % der Gleichungen, die richtig waren, wurden kaum bis gar nicht wertgeschätzt. So verhält es sich auch in vielen Unternehmen. Wir schauen auf das was nicht läuft. Um Innovation und Veränderung zu ermöglichen, braucht es jedoch Freiräume in denen ausprobiert und getestet werden kann ohne, dass Fehlversuche zu Restriktionen führen. Eine Möglichkeit einen solchen Experimentierraum zu schaffen sind Innovation-Labs und Teamwerkstätten. Mehr erfahren

 

Unser Fazit

Auch digital gab es viel Interaktion und zwischenmenschlichen Austausch sodass ein ganzer Tag viel zu schnell zu Ende ging. Nicht nur die Teilnehmer, auch unsere Referenten konnten viele Impulse für ihre eigenen Herausforderungen mitnehmen.

Danke an alle, die mit dabei waren und den Tag so bunt gestaltet haben. Lasst uns in diesen turbulenten Zeiten neugierig und mutig bleiben. Nur gemeinsam können wir eine menschliche, digitale und nachhaltige Arbeitswelt schaffen.

Bis zum nächsten Mal beim #WSXD 2021!

 

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