#WSXD Insights - Interview mit Marc Eichborn

von Anna Wolf

Wandel der Arbeit – menschlich, digital, nachhaltig. Das ist das Motto vom Work Smart Experience Day, der am 7. Oktober 2021 als Online-Format stattfindet. Schon im Vorfeld zum #WSXD geben wir mit unseren #WSXD Insights verschiedenste Einblicke in moderne Arbeitswelten, zeigen Best Practices und stellen unsere Referenten vor. Marc Eichborn leitet beim #WSXD die Podiumsdiskussion "Büro der Zukunft - ist das Kunst oder kann das weg?". Wir wollen schon jetzt mehr erfahren und haben hier einen Auszug aus dem Kapitel „Wir müssen das Büro neu verhandeln“ aus seinem Buch Rethinking HR im Haufe Verlag, 1. Auflage 2021

zum #WSXD 07.10.2021

Wie Corona die Ausgangslage verändert hat

Corona im Frühling 2020, das ist der Brandbeschleuniger der Digitalisierung in Unternehmen auf der ganzen Welt.
Tausende von neuen Headsets und Notebooks werden bestellt und Kollaborationstools werden eingeführt. Viele Unternehmen sind sich sicher, dass damit die für sie notwendige Implementierung der Digitalisierung erreicht sei. Die meisten Menschen arbeiten, soweit das in ihrer Tätigkeit möglich ist, zu Hause und fühlen sich dort wohl. Vereinzelt wird das Büro noch genutzt, um mal einen Tapetenwechsel zu haben und sich gezielt mit Kollegen zu treffen, denen es ähnlich geht.

Währenddessen ist in den Bürogebäuden nahezu weltweit eine mehr oder minder große Leere entstanden, die neu gestaltet werden kann oder sagen wir besser, neu gestaltet werden muss.

Kurz gesagt: Das Büro muss neu verhandelt werden!

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen sind heute schon in der Lage, im Homeoffice zu arbeiten. Der Begriff des Homeoffice ist zu unterscheiden von dem der Remote-Arbeit. Homeoffice ist der etablierte, aber auch überkommene Begriff für die Arbeit zu Hause oder sagen wir, nicht im Büro. Meine Definition von Remote-Arbeit ist die Arbeit außerhalb des Büros. Diese Arbeit ist ortsunabhängig und in der Regel mobil. Die Remote-Arbeit wird zukünftig im Fokus stehen und Homeoffice nur eine Örtlichkeit, nicht aber eine Tätigkeit beschreiben.

Unternehmen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind als Gestalter gefragt, um das alte Büro in eine neue Arbeitswelt zu überführen und die entsprechenden äußeren Rahmenbedingungen und Regelungsgrundlagen in Form von Verträgen oder Betriebsvereinbarungen zu schaffen.

Der schnelle Wechsel ins Homeoffice zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 hat überraschend reibungslos geklappt und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen ihrer Arbeit mit sehr großer Zufriedenheit in der neuen Umgebung nach. Damit hat sich die Situation für die Unternehmen gewandelt, die bisher das Büro als Zentrum der Leistungserbringung betrachtet haben. An diesem Punkt die Arbeit im Büro, aber auch insgesamt die Arbeit neu zu gestalten und aus den heute definierten Regelungen des Homeoffice zu neuen Büroflächen für Kollaboration, Meeting, Onsites und Socializing zu kommen, ist ungefährlich und eine einmalige Chance für alle Beteiligten.

Remote Arbeiten, Homeoffice – Wie aber kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder dazu, auch im Büro arbeiten zu wollen?

Ein 16-Jähriger hat in der Regel das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn er am großen Festabend auf der Kirmes nicht teilnimmt und mit seiner Peergroup nicht „am Start“ ist.

Die regelbehaftete Arbeit ist zukünftig nicht mehr Remote-Arbeit oder Arbeit im Office, sondern eine Kombination von Beidem. Insbesondere durch die guten Erfahrungen und Ergebnisse im Pandemie-Homeoffice sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht geneigt, wieder dauerhaft im Büro zu arbeiten. 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkennen oftmals selbst das Bedürfnis nach sozialer Interaktion und dem Zusammenhalt in der Gruppe. Dieses Bedürfnis kann über eine Vielzahl von digitalen Tools aufgebaut werden, die zwischenmenschliche Interaktion bleibt aber auf der Strecke, sodass der Wille zurück ins Büro zu kommen sicher auch zeitnah entstehen wird.

Um dieses Gefühl zu stärken und die Vorteile aus der Arbeit im Büro gerade für intensive Zusammenarbeit herauszuarbeiten, ist das Unternehmen gefordert, Arbeitsmodelle zu schaffen, die dieses Gefühl stärken.

Die Arbeit im Büro sollte das Gefühl einer Art „Incentivierung für die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter“ vermitteln.  Arbeiten im Office heißt, sich mit den Kollegen zu treffen, an einem Thema weiterarbeiten zu können, dass die örtliche Zusammenarbeit erfordert und in Projekten eingesetzt zu werden, die nur durch diese Zusammenarbeitsformen erfolgreich werden können. Diese Arbeiten sind für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besondere Herausforderungen, aber auch willkommene Tätigkeiten, um sich im Unternehmen zu präsentieren. 

Die mögliche Zukunft des Arbeitens ist also ein hybrides Modell, ein Teil arbeitet remote, ein anderer Teil im Büro. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechseln zwischen den beiden Arbeitsformen zumeist tageweise oder in größeren Arbeitsblöcken. Einzelbüros der Führungskräfte und die Zweier- und Vierer-Büros der heute aktuellen Bürogebäude haben zu großen Teilen ihre Berechtigung dann verloren, wenn die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur aus dem Abarbeiten von Prozessen und dem Erledigen von fest definierten Tätigkeiten besteht. 

Die Arbeitsflächen bieten Raum für gemeinsames Arbeiten in Teams nahezu jeder Größe. Allerdings wird die Zusammenarbeit in Teams mit über 20 Personen erfahrungsgemäß durch Teilung und Koordination der Aufgaben in Teil-Teams geprägt sein, sodass diese Arbeitsflächen hinreichend flexibel, in der Ausstattung variabel sein sollten und über eine Fassungsgröße von 20 bis 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht hinausgehen müssen.

Die Rückzugsflächen bieten in einer Büroumgebung Platz für konzeptionelles Arbeiten, fokussiert auf ein Thema, allein und unterbrechungsfrei. Diese Form der Arbeit wird sich über die nächsten Monate und Jahre mehr auf das Remote Arbeiten verlagern. 

Ein Wechsel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwischen Arbeits- und Rückzugsfläche findet am Arbeitstag dauerhaft und immerwährend auf die konkrete Arbeit bezogen statt.

Erprobungsflächen als geschützte Räume

Erprobungsflächen sind komplexe Gebilde, die sich äußerlich leicht kopieren lassen, aber der Kern des Konzepts liegt in der Methode, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so in Ihrer täglichen Arbeit zu begleiten, dass die Nutzung der neuen Flächen, der neuen Tools und Methoden selbstverständlich wird und vollständig integriert ist. Dann können der neue Raum und das neu verhandelte Büro leben, vor Ort, remote oder im Homeoffice.

Das Büro wird neu verhandelt! Hybrid und methodenorientiert ist die Grundlage für die Arbeitsräume der Zukunft und nicht lokal und arbeitsplatzorientiert.

Methoden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Kollaboration derselben stehen im Mittelpunkt des neuen Büros. Die Festschreibung der gemeinsamen Zukunft in einem Vertrag kann durch das Management angestoßen, aber nicht bestimmt, sondern nur kooperativ gestaltet werden. Der 16-Jährige bekommt seine Karte für den Festabend und ist dabei, wenn die Party beginnt, die restliche Zeit zockt er mit seinen Freunden auf der Spielkonsole und in den sozialen Netzwerken.

 

#WSXD Insights: Marc Eichborn, herzlichen Dank für deine Einblicke. Wir freuen uns auf dich am 7. Oktober 2021 um 9:30 Uhr.

 
zum #WSXD 07.10.2021
 
Über den Referenten:

Marc Eichborn bringt jahrelange Erfahrung in innovativen, digitalen Handlungsfeldern mit. Sein Fokus liegt darin, die digitale Transformation in der Unternehmensgruppe zu planen, anzuleiten und neue Ideen und Methodiken einzuführen. Eine von Marc Eichborn installierte Innovations- und Transformationsfläche dient dazu, die Ideen für die Mitarbeiter und Kunden anfassbar zu machen.

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