#WSXD Insights - Interview mit Birgit Wintermann

von Anna Wolf

Wandel der Arbeit – menschlich, digital, nachhaltig. Das ist das Motto vom Work Smart Experience Day am 1. Oktober 2020. Der in diesem Jahr als Online-Format stattfindet. Schon im Vorfeld zum #WSXD geben wir mit unseren #WSXD Insights verschiedenste Einblicke in moderne Arbeitswelten, zeigen Best Practices und stellen unsere Referenten vor.

Birgit Wintermann leitet beim Work Smart Experience Day 2020 den Workshop "Digitales Arbeitsrecht - rechtssicher und praxisnah in die Arbeitswelt der Zukunft". Wir wollten schon jetzt mehr erfahren und haben Sie zum Interview eingeladen.

#WSXD Insights: Das Motto des #WSXD ist Wandel der Arbeit – menschlich, digital, nachhaltig. Inwiefern liegt dir dieses Thema am Herzen?

Birgit Wintermann: Wir als Menschen haben derzeit eine Menge Herausforderungen zu bewältigen. Im Vordergrund steht bei allen jetzt die Corona-Pandemie, in der trotz der Beschränkungen, Ängste und Sorgen irgendwie alles weiterlaufen muss. Der Klimawandel ist eines der größten Probleme der Menschheit überhaupt, der leider noch nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die aufgrund der wirklich schlimmen Lage notwendig wäre. Alleine diese beiden Themen fordern, dass wir eine ganze Menge bereits schon ändern mussten und noch weiter ändern müssen. Und das sehr schnell und eben so, dass es auch nachhaltig ist. Die schnell voranschreitende Digitalisierung halte ich dabei für DEN Schlüssel, um Lösungen für die anstehenden Herausforderungen zu finden. Trotz der Nutzung der Technik und neuen Methoden darf aber nicht vergessen werden, dass wir das für die Welt insgesamt, aber auch für die Menschen tun. Es liegen also große Aufgaben vor uns, die auch keinen Mangel an Komplexität haben. Aber ich glaube, wir Menschen haben alles, um uns dem stellen zu können. Und wir sollten bei den Aufgaben starten, die auch am meisten bringen. Das ist nun einmal das Arbeitsumfeld, weil das unser tägliches Leben bestimmt und die Früchte der Arbeit - also Produkte usw. - nachhaltig werden müssen.

zum #WSXD 1.10.2020

#WSXD Insights: Welche größten Herausforderungen erlebst du in diesem Kontext in deiner täglichen Praxis?

Birgit Wintermann: Das sind eindeutig die zum Teil vorhandenen Sorgen in Bezug auf Veränderungen. So flexibel Menschen sein können, so sehr können sie aber andererseits auch an ihrem Status quo und Errungenschaften festhalten. Auch wenn die Menschen einsehen, dass es Probleme gibt, sollen doch erstmal alle anderen was machen oder man arbeitet an etwas, das einem selbst nicht weh tut. Die Einsicht, dass große Veränderungen nötig sind und man dafür eben auch seine Komfortzone verlassen muss. Die Schwierigkeit ist, dass die Menschen dann nicht sehen, was sie am Ende gewinnen können und aus Sorge, nur geben zu müssen, lieber an allem festhalten. Da kann es um Kleinigkeiten gehen wie die Frage, über welchen Kanal man online kommuniziert („können wir nicht einfach telefonieren?“) oder eben auch Veränderungen von Strukturen (vom Einzelbüro hin zu Open Spaces mit Clean Desk und damit einhergehend zu selbstorganisierten Teams).

 

#WSXD Insights: Moderne Arbeitswelten, werden mit Freiheiten, Flexibilität und Selbstorganisation in Verbindung gebracht. Steht dies nicht im Widerspruch mit unseren Gesetzen? Sind Arbeitgeber da noch rechtssicher unterwegs? 

Birgit Wintermann: In der Tat ist das nicht ganz einfach. Eine Arbeitsorganisation relativ schnell geändert werden - ob es dann auch rechtssicher umgesetzt wurde, steht auf einem anderen Blatt. Man sollte sich dabei aber immer vor Augen halten: Die Arbeitsgesetzt hatten vor allem den Schutz der Beschäftigen als Ziel. Inzwischen hat sich sehr viel verändert, da kann eben die Regelung zur Telearbeit oder das Arbeitszeitgesetzt als einschränkend empfunden werden. Grundsätzlich funktioniert das alles natürlich, sofern sich alle in einem Betrieb einig sind und keine Konflikte entstehen und aufbrechen. Trotzdem sollte man sich der Möglichkeiten, Grenzen und vor allem der Lösungen bewusst sein, um die Veränderungen so wenig angreifbar wie möglich zu machen. Dabei fällt einem dann auch auf, was sich ganz und gar nicht mit bestehenden Gesetzen vereinbaren lässt und so kann man auch darauf hinwirken, dass entsprechende Anpassungen vorgenommen werden.

 

#WSXD Insights: „Digitales Arbeitsrecht - rechtssicher und praxisnah in die Arbeitswelt der Zukunft“ ist der Titel von deinem Workshop beim WSXD. Was erwartet die Teilnehmer? Wie machst du uns Lust auf Gesetz?

Birgit Wintermann: Ich möchte die wichtigsten Bereiche vorstellen, in denen in der täglichen Praxis die digitale Transformation auch rechtlich mitgedacht werden sollte. Dabei stehen natürlich praktische Beispiele im Vordergrund und auch die Frage, was genau digitales Arbeiten eigentlich ausmacht. Es wird also nicht um das Zitieren von Gesetzen gehen, sondern um die praktische Relevanz und Umsetzung. Wer das dann im Kopf hat, vermeidet dann den unnötigen Umgang mit Gesetzen, weil alles gut geregelt ist und (hoffentlich) läuft!

 

#WSXD Insights: Was möchtest Du den Teilnehmern beim #WSXD mitgeben?

Birgit Wintermann: Es ist mir wichtig, die gewonnen Erkenntnisse aus der Praxis zu teilen. Ich habe in meiner Arbeit viel mit Unternehmen und deren Veränderungsprozessen zu tun. Man lernt am besten von anderen, das möchte ich gern weitergeben. Unser Team sieht da insgesamt unsere Rolle als Brückenbauer: Theoretische Erkenntnisse für die Praxis aufbereiten und gut verständlich weitergeben. 

Den Teilnehmern möchte ich gerne mitgeben, dass die Einführung von New Work ohnehin nur gut gemeinsam in einem Betrieb bewerkstelligt werden kann. Den rechtlichen Rahmen sollte man kennen. Sofern man sich aber partizipativ über die einzelnen Schritte und Maßnahmen einigt und dies gemeinsam durchführt, werden Auseinandersetzungen (erst recht gerichtliche) immer unwahrscheinlicher.

#WSXD Insights: Birgit, herzlichen Dank für deine Einblicke. Wir freuen uns auf Dich und deinen interaktiven Workshop am 1. Oktober. 

zum #WSXD 1.10.2020

Über Birgit Wintermann: Birgit ist Project Manager im Projekt Zukunft der Arbeit der Bertelsmann Stiftung. Die Rechtsanwältin hat unter anderem das Qualitätssiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber verantwortet und das INQA-Audit Zukunftsfähige Unternehmenskultur mitentwickelt. Heute befasst sie sich mit der digitalen Transformation in Betrieben, insbesondere mit Vereinbarkeit 4.0 und den rechtlichen Aspekten von New Work.

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