Wie Startups arbeiten: Sascha Feldhorst von Motionminers im Interview

Das Dortmunder Startup MotionMiners GmbH hilft Unternehmen dabei, ihre manuellen Prozesse automatisiert zu analysieren. Dazu hat das Team um die drei Gründer Sascha Feldhorst, Sascha Kaczmarek und René Grzeszick eine Kombination aus Hardware und Software entwickelt, die zuverlässige Daten zu Ergonomie, Produktivität und Effizienz anonymisiert aufgezeichnet und analysiert. Mithilfe dieses Verfahrens wird sichtbar, wo es Verbesserungspotenziale gibt, sei es bei Arbeitsabläufen oder körperlichen Belastungen der Mitarbeiter.

Neben den drei Gründern arbeiten inzwischen 22 Mitarbeiter für das im Oktober 2017 gegründete Startup, davon vierzehn Vollzeit-Fachkräfte und acht Studierende. Im Januar 2020 kommen noch einmal drei Vollzeiter dazu.

Im Interview gibt Co-Founder Sascha Feldhorst einen Einblick in die Organisation des Startups und erklärt, wie unterschiedlich strukturierte Teams bei innovativen Entwicklungen gut zusammenarbeiten.


"Die Herausforderung bei uns ist, dass sich die Arbeitsweisen in den unterschiedlichen Teams stark voneinander unterscheiden."

Ihr entwickelt mit MotionMiners sowohl Software als auch Hardware. Aus welchen Fachbereichen kommen Eure Mitarbeiter?

Wir sind eine relativ bunte Truppe aus verschiedenen Fachrichtungen – von Prozessingenieuren über Hardwareentwickler bis hin zu Datenanalysten. Im Einzelnen sind unsere Mitarbeiter Programmierer, Fachleute, die sehr Hardware-nah oder im Produktdesign arbeiten, dann haben wir Prozessingenieure und Logistiker und schließlich auch Experten im Bereich Data Science, also vor allem Mathematiker und Informatiker.

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Wie seid Ihr strukturiert?

Wir sind in drei Teams organisiert. Ein Team kümmert sich um Projekte und Vertrieb, dort sind beispielsweise auch die Prozessexperten dabei. Das zweite Team kümmert sich um die Datenanalyse. Hier wird auch unsere Plattform entwickelt sowie die Verfahren, die aus den Daten Informationen gewinnen. Das dritte Team kümmert sich um die Messtechnik, also die Hardware. Jeder der drei Gründer ist für einen Bereich verantwortlich. Sascha Kaczmarek kümmert sich um Projekte und Vertrieb, René Grzeszick ist für das Analyseteam zuständig und ich für die Messtechnik.

Wie ist die Zusammenarbeit in den einzelnen Teams organisiert? Nutzt Ihr Tools oder eine bestimmte Projektmanagement-Methode?

Wir experimentieren gerade mit verschiedenen Methoden und Ansätzen. Jedes Team arbeitet dabei an seinem eigenen Workflow und definiert Anknüpfungspunkte zu den anderen Teams.

In meinem Team beispielsweise nutzen wir ein Kanban-Board, an dem wir einmal pro Woche Aufgaben planen, die auf Post-its notiert werden. Diese werden auf dem Board von der Spalte "to do" weiter nach "doing" bis "done" gehängt. Am Ende der Woche hat man einen guten Überblick, wie viele Aufgaben man geschafft hat.

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Wenn es um Aufgaben auf Entwicklungsebene geht, also zum Beispiel, wenn wir ein neues Feature angehen wollen, dann kombinieren wir die analogen Klebezettel mit digitalen Tickets. Dort ist dann auch dokumentiert, wo der jeweilige Quellcode zu finden ist. Auf dem Post-it dazu steht dann beispielsweise "Ticket Nr. X lösen".

Das Analyseteam wiederum probiert gerade die OKR-Methode aus. OKR steht für Objectives and Key-Results. Demnächst setzen wir uns dann zusammen und tauschen uns darüber aus, wie die einzelnen Methoden in den Teams funktioniert haben. Zudem wollen wir auch alle Software-Tools, die wir gerade einsetzen, noch einmal challengen. Dafür nimmt einer unserer Praktikanten diese Tools genau unter die Lupe – wofür wir sie nutzen und wie akzeptiert sie sind – und recherchiert, welche alternativen Lösungen es gibt.

Die Herausforderung bei uns ist, dass sich die Arbeitsweisen in den unterschiedlichen Teams stark voneinander unterscheiden. Gerade die agilen Verfahren sind eigentlich eher für die Entwicklung von Software gemacht als für Hardware. Mein Feldware-Team versucht deshalb gerade, eine Arbeitsweise zu finden, die zwar agil ist, aber auch die besonderen Herausforderungen der Hardware berücksichtigt.

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Wie funktioniert Kommunikation und Kollaboration Eurer Teams untereinander?

Anfangs hatten wir für den Austausch der Teams untereinander ganz einfache Meetings, in denen wir uns regelmäßig alle zusammengesetzt und berichtet haben, was in den einzelnen Teams passiert ist. Dabei sind allerdings einige Mitarbeiter buchstäblich eingeschlafen, auch weil sie teilweise die Fachsprache der Kollegen aus den anderen Teams nicht verstehen. Ein Prozessingenieur beispielsweise interessiert sich relativ wenig für die Bits-und-Bytes-Ebene und auch nicht für die Details der Statistik, die hinter den Verfahren der Analyse stecken.

Deswegen haben wir hier etwas verändert. Alle sechs Wochen treffen sich alle Mitarbeiter zum "Miners-Meeting". Dort berichtet jedes Team in 15 Minuten, was sich in den letzten Wochen getan hat. So hält man sich gegenseitig auf dem neuesten Stand. Wenn es die Entwicklung erfordert, stimmen sich die Teams in unregelmäßigen Meetings ab. Zum Beispiel wollen wir vom Hardware-Team uns jetzt einmal im Monat mit dem Team "Projekt und Vertrieb" zusammensetzen und die Kundenfeedbacks durchgehen, damit wir diese schneller in die Entwicklung der Technologie überführen können.

Du hattest ja schon gesagt, dass Ihr ein ganz buntes Team seid mit Fachleuten, die sehr unterschiedlich ticken. Wie geht Ihr als Geschäftsführer damit um? Wie haltet Ihr das Team zusammen?

Tatsächlich hinterfragen wir das relativ häufig, nicht in einem strukturierten Prozess, sondern indem wir uns einfach dazu austauschen. Keiner von uns Dreien hat vorher Erfahrung in Führungspositionen gesammelt. Deswegen ist das für uns Learning on the Job.

Was wir versuchen, ist, dass wir im Team genug Anknüpfungspunkte finden und Zeit miteinander verbringen. Zum Beispiel gibt es feste Team-Ereignisse, woran sich die meisten Mitarbeiter auch beteiligen. Beim "Mettwoch" beispielsweise gibt jeden ersten Mittwoch im Monat einer der Gründer ein Mettfrühstück aus.

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Dann gibt es den "Miners-Abend", an dem wir zu Bier, Kickern und einer kleinen Keynote einladen. Dorthin kommen auch Externe aus unserem Netzwerk. Gerade sind wir dabei, unser Format "Hallo und Hopfen" zu reanimieren, bei dem sich zwei oder drei "Miner" beim Feierabendbierchen aus einer eher persönlichen Perspektive den anderen aus dem Team vorstellen.

Ist Fachkräftemangel für Euch ein Thema?

Das kommt auf den Bereich an. Wir haben Bereiche, bei denen es gut klappt, Mitarbeiter zu finden – Prozessingenieure beispielsweise –, und andere, bei denen Stellen länger vakant sind. Wir haben zum Beispiel relativ lange nach einem Entwickler gesucht, der auch bei mobilen Anwendungen fit ist. Es gibt also Licht und Schatten, was das Thema Recruiting angeht.

Was überzeugt die Leute, bei Euch zu arbeiten?

Da gibt es meiner Meinung nach vor allem zwei Perspektiven.

Aus Sicht des Prozessingenieurs ist die Vielfältigkeit der Aufgaben sehr interessant. Für ein Projekt ist man beispielsweise in Tschechien bei Skoda, für ein anderes bei Rhenus in Polen. So kann man sehr schnell sehr viel Erfahrung sammeln. Außerdem ist man auf Messen unterwegs, wo man viele Leute kennenlernt und so sein Netzwerk erweitern kann. Das ist zum einen ein sehr abwechslungsreicher Einstieg und zum anderen hat man die Möglichkeit, schnell Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube, diese Kombination ist für Prozessingenieure ausschlaggebend, bei uns zu arbeiten.

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Für die Techniker muss die Problemstellung spannend sein und natürlich die Werkzeuge möglichst auf dem neuesten Stand. Zum einen können wir damit Fachleute aus diesem Bereich überzeugen, bei uns zu arbeiten. Zum anderen auch wieder damit, schnell Verantwortung zu übernehmen und eigene Lösungen zu entwickeln.

Fotonachweis: MotionMiners GmbH


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