Wie Startups arbeiten: Matteo Große-Kampmann von AWARE7 im Interview

AWARE7 ist ein Cyber Security Unternehmen aus Gelsenkirchen, das im Umfeld des Instituts für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule entstanden ist.

Die beiden Gründer, Matteo Große-Kampmann und Chris Wojzechowski, forschen schon seit vielen Jahren auf dem Gebiet der IT-Security, haben aber auch schon unternehmerische Erfahrung gesammelt.

Im Interview gibt Matteo Einblicke in die Arbeitsweise von AWARE7.


"Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, Dinge schon frühzeitig aus der Hand zu geben und den Mitarbeitern Vertrauen zu schenken"

Was genau macht AWARE7 und wer sind Eure Kunden?

Wir finden und zeigen menschliche und technische Sicherheitslücken und helfen dabei, diese zu schließen. Nur, wenn man beide Seiten betrachtet, kann man ein Unternehmen auch ganzheitlich schützen.

Als konkrete Dienstleistungen bieten wir beispielsweise Live Hacking Shows an, wo wir tagesaktuelle Sicherheitslücken live aufdecken und zeigen, wie Hacker arbeiten und denken. Damit möchten wir vor allem Menschen sensibilisieren, sich selbst vor Cyberangriffen zu schützen.

Unsere technische Kernkompetenz ist der sogenannte Pentest oder Penetrationstest. Das heißt, wir greifen zum Beispiel eine Unternehmensinfrastruktur oder -Applikation an und zeigen die Sicherheitslücken auf, die wir dabei finden.

Außerdem arbeiten wir derzeit an der Entwicklung einer Plattform mit dem Ziel, damit der führende Anbieter für IT-Sicherheitsdaten in Europa zu werden.

Unsere Kunden sind breit verteilt. Wir haben bereits für viele der DAX 30 Konzerne gearbeitet, sind aber auch im Mittelstand und für kleine Unternehmen unterwegs.

Ihr habt Ende 2018 gegründet und seid recht schnell gewachsen. Hattet Ihr von Anfang an schon Mitarbeiter?

Wir hatten von Tag 1 an schon Mitarbeiter, angefangen natürlich erstmal mit 450-Euro-Kräften und Studenten. Mitte letzten Jahres haben wir eine Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bekommen, die es uns ermöglicht hat, nochmal vier Vollzeitstellen zu schaffen.

Inzwischen gehören 17 Mitarbeiter zu unserem Team, in Vollzeitäquivalenten gerechnet sind es elf. Einige der Studenten, die bei uns ihre Abschlussarbeit geschrieben haben, arbeiten jetzt festangestellt bei uns.

In welche Bereiche teilt sich Euer Team auf und wie arbeitet Ihr zusammen?

Aufgeteilt sind wir in die Bereiche Marketing und Vertrieb, Backoffice sowie Pentesting und Softwareentwicklung. Am engsten arbeiten unsere Pentester und Entwickler zusammen. Wir treffen uns einmal pro Woche online oder offline mit dem ganzen Team oder mit Unterabteilungen.

Ansonsten läuft viel über Projektmanagementtools wie Jira oder Confluence und über Tools, die uns bei der Kommunikation helfen, wie Slack. Weil unser Team sehr verteilt ist und Chris und ich auch oft unterwegs sind, besprechen wir viele Dinge in digitalen Meetings, meistens per Video-Konferenz. Das funktioniert erstaunlich gut.

Ihr seid in einem sehr innovativen Umfeld unterwegs und arbeitet neben Eurem Dienstleistungsangebot auch an der Entwicklung einer Plattform. Wie schafft Ihr Innovation in Eurem Unternehmen?

Zum einen können unsere Mitarbeiter immer eigene Ideen einbringen. Wenn wir darin einen Benefit für unsere Kunden sehen, entscheiden wir auf sehr kurzem Dienstweg, dass diese Ideen schnell realisiert werden.

Zum anderen holen wir über Alphatester, die unsere Technologie hinter verschlossenen Türen ausprobieren, viel Feedback dazu ein, was noch optimiert werden sollte. Wir haben da ganz schlanke Entwicklungsprozesse, aber auch eine 5-Jahres-Vision als Orientierung, wo es mit der Plattform langfristig hingehen soll.

Könnt Ihr als Gründer nach so kurzer Zeit schon gut Verantwortung an Eure Mitarbeiter abgeben oder fällt Euch das schwer?

Wir geben sehr viel ab, weil wir möglichst viel am Unternehmen arbeiten möchten und nicht im Unternehmen. Das klappt auch ganz gut.

AWARE7-Gründer: Matteo Große-Kampmann und Chris Wojzechowski

Am Ende geht es ja darum, dass man Arbeit geschafft bekommt. Und unsere Aufgabe als Gründer ist es, dafür zu sorgen, dass einerseits die Kunden zufrieden sind, andererseits aber auch unsere Mitarbeiter im Unternehmen glücklich sind. Verantwortung an das Team abzugeben ist dabei ein Aspekt, aber auch die Mitarbeiter an Aufgaben arbeiten zu lassen, an denen sie wachsen können.

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, Dinge schon frühzeitig aus der Hand zu geben und den Mitarbeitern Vertrauen zu schenken. Wenn man weiß, dass man das Vertrauen zurückbekommt, dann kann man sich darauf verlassen, dass es auch ohne ständige Kontrolle läuft – eine Win-Win-Situation also.

Ist Fachkräftemangel für Euch ein Thema?

Recruiting generell ist für uns ein Thema. Da wir vor allem Entwickler und speziell IT-Sicherheitsexperten suchen, stehen wir, was Fachkräfte angeht, als Startup in direkter Konkurrenz zu Konzernen und großen Unternehmen in diesem Bereich. Mitarbeiter von unserem Unternehmen zu begeistern, das ist schon eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

Wie macht Ihr das?

Zum einen haben wir beispielsweise einen sehr transparenten Bewerbungsprozess, bei dem man sehr genau nachvollziehen kann, was Mitarbeiter bei uns erwartet. Die Bewerbungsgespräche führen Chris und ich selbst, sodass wir auch die Vision unseres Unternehmens und der Plattform entsprechend rüberbringen können. An solch einem innovativen Projekt mitzuarbeiten und dort auch Verantwortung zu übernehmen, ist schon interessant für Fachleute in diesem Bereich.

Welche Werte sind Euch als Arbeitgeber und Unternehmer wichtig?

Fairness gegenüber unseren Mitarbeitern ist uns sehr wichtig. Außerdem denken wir darüber nach, wie wir die Themen Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung auch in einem kleinen Unternehmen wie unserem darstellen und von Anfang an mitgestalten können.

Das fängt beispielsweise damit an, dass die Bahn als Verkehrsmittel der Wahl Teil unserer Unternehmenspolicy ist. Das Reisen ist bei uns als Dienstleister ein wichtiger Faktor und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben.

Da möchten wir unseren Beitrag leisten und auf klimafreundliche Alternativen zum Auto oder Flugzeug setzen. Zumal es mit W-Lan und Stromanschlüssen ja schon ganz gut klappt, im Zug zu arbeiten. Noch nicht perfekt, aber immer besser.

Fotonachweis: AWARE7, Cube5


Möchten Sie mehr über ein modernes Arbeitsumfeld, smarte Arbeitsmethoden und Prozesse erfahren?

Teilen Sie diesen Beitrag