Recap zum Work Smart Talk „Betriebliche Mitbestimmung“

Vielleicht sollten wir froh sein, dass wir auf individuellen und fokussierten Austausch Wert legen statt auf Massenveranstaltungen. Denn so konnte unser Work Smart Talk zum Thema Rolle von Betrieblicher Mitbestimmung im Rahmen von New Work am letzten Donnerstag trotz des Coronavirus  stattfinden.

 

Work Smart - Input

Den Einstieg in unser Afterwork Format des Work Smart Talks kennt Ihr inzwischen sicher – ein Thema –zwei Experten –2mal 5 Minuten Statements; in dem Fall von Patrick und Dirk

Patrick Heße ist stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Vivawest und versteht sich als brennender Mitbestimmer in der Gestaltung der Arbeitswelt. Er begreift Digitalisierung und Kreativität als die neuen Kernpunkte unserer betrieblichen Zukunft. Neben dem Fokus auf den Menschen als Zentrum dieser neuen Arbeitswelt gewinnen für ihn Themen wie Nachhaltigkeit, zielorientiertes Lernen und die Bedeutung von Vertrauen auch im Berufskontext zunehmend an Relevanz.

Dirk Smikale sieht als Leiter des Arbeitskulturprogramms „innogize our work“ der innogy SE die zukunftsorientierte Gestaltung von Arbeitskultur als strategische Aufgabe, die Chance und Herausforderung zugleich ist. Dabei stehen die seit 1970 gesetzlich verankerten gesetzlichen Bestimmungen heute oft in keinem angemessenen Verhältnis zur Arbeitswirklichkeit. Die Integration einer Belegschaft in ihrer Diversität ist zentrale Aufgabe der Mitbestimmungsgremien.

 

Work Smart - Diskussion Teil I: „mobiles Arbeiten“

Wenn es um Selbstbestimmung in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitsort geht, dann gehen die Meinungen weit auseinander. Insbesondere das Thema Vertrauen wird hier schnell auf die Probe gestellt. „Zuhause arbeiten die Mitarbeiter doch eh nicht“. Was sich anhört wie ein Vorurteil vergangener Zeiten, ist in vielen Unternehmen auch heute noch Realität. Home Office wird als minderwertige Arbeit angesehen - die Bilder im Kopf derer, die im Büro arbeiten (müssen), sehen ähnlich aus: Jogginghose, Kaffeetasse und von Zeit zu Zeit mal die Mails checken.

Ein Argument, dass nicht nur nach Meinung von Dirk Smikale zu kurz greift – ja, gar nicht zählen darf: wer im Home Office nicht arbeitet, der macht das auch im Büro nicht. Engagement und Leistung sind nicht vom Ort abhängig. Und nicht von einer wie auch immer gestalteten externen Kontrolle. Unternehmenskultur macht nicht am Werkstor halt sondern setzt sich in jedem Mitarbeiter fort.

 

Work Smart – Diskussion Teil II: „Betriebsräte“

Betriebsräte haben eine lange Tradition in Unternehmen, um die sie auch lange kämpfen mussten – nur natürlich also, dass sie die gewonnene Reichweite heute verteidigen wollen. Aber wie so oft kann diese Verteidigungshaltung negative Effekte haben: Abschottung, Silodenken, Unbeweglichkeit. Genau das Bild manifestiert sich dann schnell auch auf der Gegenseite, insbesondere bei der Geschäftsführung als dem klassischen Gegenspieler des Betriebsrats oder der Belegschaft, die oft nicht versteht, warum bestimmte Entscheidungen gefällt werden.

Im Rahmen der Diskussion stolperten die Referenten und Teilnehmer immer wieder über das Thema „Macht“

Denn wenn im Unternehmen verschiedene Interessengruppen Ihre Meinung vertreten, kann es immer wieder zu Konflikten und in schlechtesten Fall auch zu Machtspielen kommen.

Hieraus können die unterschiedlichen Akteure eines definitiv von den New Work Bewegungen – so verschieden sie sein mögen – lernen: Machtspiele müssen aufhören. Sie fressen Zeit und Energie und bringen weder die Ideen, noch das Unternehmen voran.

Es gilt also nun, die tradierte Rollenverteilung aufzulösen. Betriebsräte müssen gar nicht immer im Weg sein, meint Patrick Heße, genauso wie die Geschäftsführung oder die Belegschaft den Betriebsrat nicht grundsätzlich als Verhinderer ansehen darf.

Das Gesetz ist nun mal so, wie es heute ist – das mag sein, aber es bietet durchaus mehr Spielräume, als bisher in den Unternehmen ausgeschöpft werden. Mitarbeiterbeteiligung im Sinne von Vorschlagssystemen, die Einrichtung kleinerer, agiler Gremien zur Forcierung innovativer Projekte, Beteiligungsgruppen oder die Delegation von Entscheidungen in Ausschüsse – all das ist auch im Rahmen des Betriebsverfassungsgesetzes möglich und kann Arbeitgeber ebenso wie den Betriebsrat stärken und schnellere Entscheidungen herbeiführen.

Denn eigentlich ist ja eines klar: beide Seiten wollen das Beste für das Unternehmen und die Menschen, die in ihm arbeiten – das sollte Hand in Hand besser gehen als gegeneinander. Sonst besteht die Gefahr, dass die Arbeitnehmer zwischen den Fronten zu Verlierern werden. Dass damit niemandem gedient sein kann, ist offensichtlich.

Insbesondere für Betriebsräte gilt es hier nach Meinung der Referenten, sich innovativ aufzustellen. Das geläufige Bild der Betriebsräte ist das des „Bremsklotzes“: Tarifverträge können nicht abgeschlossen werden, Versetzungen und hierarchische Anpassungen sind nicht möglich, Streiks drohen. Positive Sichtbarkeit sieht anders aus. Dabei hat tatsächlich erst das Mitwirken der Betriebsräte zu den Grundlagen der modernen „Work-Life-Balance“ geführt. Sie haben den Anstoß zu Arbeitszeitregelungen und vor allem Freizeitregelungen gegeben. Hierauf müssen sie sich wieder stärker berufen – in einer aktiven, modernen und vielleicht sogar digitalen Rolle,

Für alle Gremien bedeutet dies, in einen gemeinsamen Lernprozess einzusteigen, denn Agilität stellt sich nicht von Verhandlungsrunde zu Verhandlungsrunde ein, sondern in einem kontinuierlichen und vertrauensvollen Miteinander. Basis hierfür ist der Wille, gemeinsam an einer Arbeitswelt der Zukunft zu arbeiten. Nicht gegeneinander. Oder vielleicht auch erst einmal an der Unternehmenskultur. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

Einer der Teilnehmer empfiehlt, solche Veränderungsprozesse durch den Einsatz digitaler Tools zur Zusammenarbeit zu unterstützen – damit der Wille zum Wandel sich auch in einem sichtbar neuen Arbeiten Außenwirkung verschafft. (An der Stelle der Hinweis, dass es genau darum im WSTalk im Mai gehen wird – nämlich um „IT Tools – unterschätzt oder überbewertet? Digitale Trends in der Zusammenarbeit“).

Zudem können Arbeitstreffen, die remote durchgeführt werden, den Prozess entschlacken und Vorurteile gegenüber neuen Arbeitsform direkt „on the fly“ entkräften.

 

Work Smart – Fazit

Das Ergebnis des Abends: New Work und Betriebsrat widersprechen sich keinesfalls. Vielmehr kann es zum Vorzeigeprojekt eines neuen Miteinanders auf Augenhöhe werden, wenn hier Interaktion statt Konfrontation gelebt wird. So waren sich am Ende eines wortreichen Abends die Referenten, die Gastgeber Paiman und Katharina sowie die Diskutanten einig: „Begebt Euch mehr auf Augenhöhe und vertraut euch gegenseitig. Testet Dinge aus, anstatt perfektionistisch die auf  jedes Komma abgestimmte Betriebsvereinbarung erreichen zu wollen.“

Und an alle Betriebsräte: agieren statt reagieren, agile Haltung statt festgefahrene Prozesse, also definiert Eure Rolle zeitgemäß!

 

Ein herzliches „Danke“ an alle Mitgestalter und an unseren Gastgeber, die Beck Objekteinrichtungen GmbH in Essen. Wir freuen uns auf die nächste Runde im Mai!

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