Recap zum Work Smart Talk "Arbeiten vor und nach Corona“

Erkenntnisse für zukünftige Zusammenarbeit, Ausbildung und Kundenservices - mit Angelika Stahl und Olaf Borninghoff, online am 25. Juni 2020

Die letzten Wochen und Monate haben für viele von uns radikale private aber vor allem auch dienstliche Veränderungen mit sich gebracht. Nun kommen wir in eine Zeit in der immer mehr Lockerungen veranlasst werden und wir persönlich und auch Unternehmen sich die Frage stellen müssen: Wie geht es weiter? Was ist die neue Normalität?

Beim Work Smart Talk im Juni haben sich die Teilnehmer genau dieser Herausforderung gestellt: Arbeiten vor und nach Corona - Erkenntnisse für zukünftige Zusammenarbeit, Ausbildung und Kundenservices. Als Referenten und Impulsgeber waren diesmal Angelika Stahl, Leiterin Individualkunden der Region Stuttgart bei der GLS Bank und Olaf Borninghoff, Personalleiter bei den Stadtwerken Velbert und auch zuständig für die Ausbildung mit dabei.

Bei Bank und Stadtwerk kommt einem schnell die Vorstellung von eher klassisch hierarchisch organisierte Unternehmensstrukturen und „Old Worker“ in den Sinn. Das Mentalitäten und Arbeitsweisen auch in diesen Branchen ganz anders aussehen kann, wird bereits in den Impulsbeiträgen der beiden Referenten deutlich. Aber lest selbst:

 

Die Impulse unserer Referenten

Angelika Stahlt ist bei der GLS Bank als Leiterin Individualkunden in der Region Stuttgart tätig und hier für sieben Filialen zuständig. Sie arbeitet eng mit den Regionalleitern zusammen, um den Kunden*innen ein besonderes Erlebnis in den Filialen zu bieten, fernab konventioneller Finanzhäuser. Auch in der Anlageberatung, in der sie selbst tätig ist, soll eine hohe Qualität spürbar stattfinden. Dabei stehen die Werte der GLS Bank im Fokus. Denn als erste ökologische Bank der Welt investiert die GLS Bank ausschließlich in nachhaltige, soziale und ökologische Projekte. Darüber hinaus hat Sie die Herausforderung auch mit den Kolleg*innen am Hauptstandort in Bochum eng in Kontakt und im interaktiven Austausch zu bleiben.

„Vor Corona hatten wir 7 Filialstandorte und waren auch da schon mit dem Kunden überwiegend telefonisch der per Mail in Kontakt. Auf Seiten der Belegschaft gab es zwar Filialübergreifend auch Videokonferenzen, aber die liefen oft unpersönlich und chaotisch ab. Corona hat uns mehr denn je den Anlass gegeben Plattformen für Begegnung zu schaffen, sowohl auf Kundenseite als auch in der Belegschaft. Wir haben also Piloten gestartet zu Videobesichtigungen bei Kreditvergabe oder kurzfristig gestemmte Onlineformate, bei denen sich jeder einwählen konnte. Ad Hoc konnten fast 50% der Belegschaft im Home Office arbeiten und alle Meetings finden nun virtuell statt.

Meine These für die Zeit nach Corona: Als bundesweit agierend wollende Bank müssen wir es schaffen ein bundesweit attraktiver Arbeitgeber zu sein, als Purpose Unternehmen in Verbindung mit der Möglichkeit von überall zu arbeiten. So haben wir im stetigen Wachstum gute Chancen Mitarbeiter auch ortsunabhängig zu gewinnen. Sodass sich auch unsere Sichtbarkeit immer weiter steigert.“

Olaf Borninghoff ist bei den Stadtwerken Velbert als Personalleiter tätig. Er verantwortet außerdem die allgemeine Verwaltungsleitung, den Fuhrpark und die interne Infrastruktur. In den letzten Jahren hat er die interne Ausbildung revolutioniert. Die Azubis werden mit eigenen, interdisziplinären Projekten betraut und somit agile und digitale Kompetenzen zusätzlich entwickeln. Zur Etablierung moderner Arbeitswelten und Entwicklung notwendiger Skills in der Gesamtbelegschaft hat er das Programm „Wir für morgen“ bei den Stadtwerken mit ins Leben gerufen.

„Vor Corona haben wir jeglichem Klischee eines EVUs entsprochen. Nahezu alle waren immer im Büro, die Besprechungen haben selbstverständlich als Präsenzmeeting stattgefunden und es herrschte eine relativ digitale Abwehr. Ich habe selbst seit meinem Einstieg bei den Stadtwerken Velbert versucht schon viele digitale Medien gemeinsam mit unserer IT-Abteilung einzuführen. Doch bis zum Lockdown ohne großen Erfolg. Glücklicherweise konnten wir sehr kurzfristig reagieren, immerhin hatten wir es schon geschafft viele Mitarbeiter z.B. schon Laptops auszustatten – auch Azubis! 80% der Menschen konnten somit spontan ins Home Office geschickt werden. Die anderen 20%, die nicht konnten, sind die Kollegen die den operativen Betrieb vor Ort sicherstellen müssen.

Was vorher verpönt wurde – das Home Office und die digitale Welt -, wird jetzt plötzlich von allen Seiten wertgeschätzt. Es reicht aber nicht den Menschen ein digitales Endgerät in die Hand zu drücken, sondern wir müssen es schaffen, den Zusammenhalt zu stärken und die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Netzwerken, bewusstere Kommunikation und Kollaboration über SharePoint Lösungen rücken aktuell in den Fokus. Was wir nach Corona beibehalten werden, ist dass das Ergebnis zählt und nicht mehr wann und wo die Arbeit erledigt wurde. Aber die Hauptherausforderung bleibt: der Kulturwandel dahinter, das Reflektieren von Mindsets und nicht die Bereitstellung der (digitalen) Möglichkeiten!“

 

Bürowelten von morgen

Nach diesen Impulsen diskutierten wir zunächst darüber, dass Mitarbeiter weder immer Büro aber auch nicht zu 100% im Home Office bleiben wollen. Stattdessen freuen sich viele darauf, wieder ins Büro zurückzukehren – zumindest für einige Tage pro Woche. Allerdings nicht, um an ihren Arbeitsplatz, also den persönlichen Schreibtisch zu kommen, sondern vorwiegend um sich mit den Kollegen auszutauschen: „Socialising“ ist das Stichwort. Begegnungsflächen schaffen stellt damit eine der zukünftigen Aufgaben für Unternehmen dar. Auch bei der GLS Bank wird dies diskutiert und man bindet die Mitarbeiter hier ganz aktiv ein, indem man derzeit erfragt, wie sich die Mitarbeiter ihre zukünftige Arbeitsumgebung vorstellen.

Es gibt schon erste Unternehmen, die planen ganze Büros abzuschaffen. Die finanziellen Einsparungen sind enorm. Doch in unserem Talk stellte sich die Frage: „Wie entsteht dann die Kultur eines Unternehmens, wenn es gar keine Büros mehr geben würde?“ „Wie gelingt das Onboarding von Mitarbeitern?“. Die eine Antwort gibt es darauf nicht und wir waren uns einig, dass so ganz ohne Büro auch kaum einer sein möchte. Es ist umso wichtiger attraktive Begegnungsstätten zu schaffen und die Mitarbeiter bei der Ausgestaltung dieser auch mit einzubeziehen - Der Zusammenhalt in der Belegschaft wird umso wichtiger.

 

Kundenservices

So wie sich Bürowelten verändern, gibt es auch Auswirkungen auf Kundencenter und Filialen. Bereits jetzt ist die GLS Bank vorrangig als Onlinebank mit Telefonservices tätig. Doch gibt es auch sieben Filialen in Deutschland. Nachdem Kunden seit Wochen diese nicht mehr für Beratungen aufsuchen, stellt sich auch hier die Frage, wie der persönliche Kundenkontakt zukünftig gestaltet werden kann. Anstelle eines typischen Kundencenters werden Filialen, wie auch Büroräume mehr und mehr zu Begegnungsstätten. So hat die GLS Bank mit kleinen Veranstaltungen im Rahmen einer Aktionswoche die vorhanden Räumlichkeiten als Eventraum genutzt. Hier konnte sich sowohl über aktuelle Themen informiert und ausgetauscht werden, als auch die persönlichen Kontakte zum Kunden und zwischen Kollegen intensiv gefördert werden.

 

Führung und Zusammenarbeit

Wenn sich Rahmenbedingungen und Räumlichkeiten verändern und digitale Tools sinnstiftend eingesetzt werden, hat dies zwangsläufig Auswirkungen auf die Zusammenarbeit im Team und Führung der Mitarbeiter. All das Bereitstellen von Raum und Technik bringt nichts ohne ein Umdenken im Handeln und dahinter stehender Haltung. Der Kulturwandel im Arbeitsalltag ist die eigentliche Herausforderung für die Unternehmen.

Wenn Führungskräfte hier nicht mitgehen oder die Rahmenbedingungen zu starr sind, bringen auch alle anderen Maßnahmen nichts. Das Mindset ist entscheidend, weg von Kontrolle hin zu Führung als Dienstleister: Bedürfnisse der Mitarbeiter sind zu hinterfragen. Die Führungskraft selbst fungiert als Vorbild und hat als wesentliche Aufgabe neue Wege zu fördern. Ein praktisches Beispiel aus der Diskussion: Fragt als Führungskraft doch mal proaktiv eure Mitarbeiter, ob Sie nicht auch mal von zu Hause arbeiten wollen. Oft ist denen nämlich gar nicht bewusst, dass sie das auch „dürfen“.

 

Auszubildende als Impulsgeber

Nach der Pause widmeten wir uns der Frage, wer eigentlich in welcher Form neue Impulse in ein Unternehmen bringen kann und Dinge hinterfragt, die „doch schon immer so waren“. Schließlich werden Mitarbeiter über die Zeit hinweg, ganz automatisch, entsprechend der bisher gelebten Werte und Leitplanken im Unternehmen sozialisiert wird. Ein Beispiel, wie man Menschen im Unternehmen wirklich die Chance geben kann, Dinge auf Ihre Weise zu machen erläutert uns Olaf. Bei den Stadtwerken Velbert hat er die Einrichtung einer E-Ladesäule auf dem Firmengelände als Azubi-Projekt ins Leben gerufen. Die Gruppe aus jungen Auszubildenden hat im Ziel eine hochkomplexe Ladeinfrastruktur inkl. Wirtschaftlichkeit geplant, entwickelt und aufgestellt. Dies stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, die eigene Entscheidungsfindung, Übernahme von Verantwortung sondern auch eine tolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Dass die Azubis sich im Projekt über Verantwortlichkeiten statt über Hierarchien selbstorganisiert haben, führte zu Aha-Momenten bei Führungskräften. Ein weiterer zu beobachtender Effekt war, dass alteingesessene Kollegen sich von den Auszubilden ihre Arbeitsweisen erklären ließen und abgucken.

Eine tolles Beispiel, wie Auszubildende notwendige Kompetenzen schon frühzeitig praktisch erfahren können, sich Arbeitsweisen und Haltungen über Pilotprojekte entwickelt werden können und so das gesamte Unternehmen für die Zukunft gestärkt wird. Daher gibt es inzwischen bei den Stadtwerken bereits ein Folgeprojekt: Die Azubis kümmern sich nun, um den Aufbau einer Photovoltaikanlage auf dem Firmendach.

 

Work Smart – Fazit

Bei unserem Work Smart Talk „Arbeiten vor und nach Corona“ hat sich gezeigt, dass viele aktuelle Herausforderungen nicht erst in diesem Jahr aufgekommen sind. Doch die aktuelle Situation hat die Lösungsfindung, den Mut zum ausprobieren und das schaffen neuer Möglichkeiten wesentlich beschleunigt. Veränderung und moderne Arbeitswelten, wurden zwischenzeitlich erlebbar. Nun gilt es diese Erfahrungen und den Elan zu nutzen, um proaktiv die zukünftige Ausbildung, Zusammenarbeit und Kundenservices auszugestalten. Dabei gilt es das Gute aus der Vergangenheit zu bewahren, die technischen Möglichkeiten auszuschöpfen und die persönliche Entwicklung zu Fördern.

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