Fit in 20 Minuten pro Woche – New Work Fitness

von Anna Wolf

So oder ähnlich lauten die Versprechen immer wieder neuer Fitnesstrends. Zeitsparend, innovativ, ohne Schweiß, megaeffektiv. Der Clou: wir müssen uns gar nicht mehr selbst bewegen, sondern werden von Tools und Technik vermessen, durchgerüttelt, schlank und gesund.

Passt doch perfekt in unsere Welt voller Termine, Stress und Hektik, in der für mehr als 20 Minuten Achtsamkeit und Gesundheit auch gar kein Platz ist.

Ähnlich muten manche New Work Versprechungen und Beratungen an.

 

New Work light

Einmal durchs Bällebad geschwommen, den angestaubten Jour Fixe durch ein knappes Weekly ersetzt und schon haben wir eine innovative Unternehmenskultur.

Wer wirklich einmal versucht hat richtig abzunehmen, fit zu werden, den ersten Marathon zu laufen oder seine Ernährung komplett umzustellen weiß, dass das richtig harte Arbeit ist.

Die ersten 10 Kilo purzeln – aber keiner sieht es.

Das erste Mal über 10 km am Stück geschafft – aber dreimal von sich munter unterhaltenden Dauerläufern überrundet.

So ähnlich verhält sich das mit diesem New Work – vielmehr benötigt die Arbeit an der Unternehmenskultur ähnlich viel Energie, Disziplin und Aufmerksamkeit.

 

Disziplin, echte Arbeit, echter Wandel

Da kann ein Coach oder ein Berater seine Erfahrung eine Woche lang einfließen lassen, da können auch Büroräume umgestaltet und Arbeitszeitmodelle auf den Prüfstand gestellt werden. Aber Wirkung zeigt das alles erst ganz langsam. Und nur, wenn wir der Veränderung im Unternehmen und im Team genau diese Zeit einräumen, dann geht es an die Substanz. Dann verändert sich wirklich etwas. Ganz hartnäckige Regelungen werden hinterfragt, der Speckgürtel schmilzt und zum Vorschein kommt das, was die Organisation eigentlich ausmacht: Ein stabiles, fittes Gerüst. Schlank und  leider oft auch entschlackt.

Endlich.  Zur Belohnung erst einmal ein Eis, eine Pause, …

Und auch da die Parallele: wir sind nicht mit einem Mal verändert und dann dauerhaft fit. Jede Pause bedeutet, dass wir danach wieder doppelt so motiviert einsteigen und nacharbeiten müssen, um die kleinen Sünden aufzufangen. Der berühmte Jojo-Effekt.

 

Erst Kontinuität wirkt nachhaltig

Dann doch lieber kontinuierlich am Ball bleiben: Lieber fünf Stunden am Tag effizient arbeiten und dafür früher gehen, lieber drei kurze persönliche Gespräche führen als ein Mammutmeeting am Monatsersten einzuplanen, lieber jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit als am Wochenende zwei Stunden im Fitnessstudio zu ackern.

Wenn uns neue Kommunikationsmuster, agile Methoden, der Spaß am Arbeiten, die Arbeit an uns selbst so in unseren Alltag übergehen, dass wir nicht mehr darüber nachdenken, ob wir jetzt heute Sport machen oder nicht, dann sind wir in einem neuen Rhythmus angekommen. Genau das benötigen Organisationen. Und dieser Motor muss immer weiterlaufen. Je regelmäßiger, desto weniger „Kraftakt“ ist es jeden Tag. Dann begeben wir uns weniger auf Achterbahnfahrt aus Changeprojekt an Changeprojekt, sondern auf einen langsamen aber stetigen Weg des kontinuierlichen Lernens und Weiterentwickelns. Diesen Weg kann dann auch jeder mitgehen.  

Und das ist weit weg von Gewohnheit – denn auch das zeigt uns unser Köper eindrucksvoll: jeden Tag die gleiche Übung macht uns leider noch lange nicht fit.

 

Work Smart Challenge

Wir brauchen also eine Arbeit, an der wir jeden Tag neu unsere Kräfte messen können, uns selbst neu challengen und so im Team weiterkommen. Wenn wir uns auf einer soliden Basis (nicht einer gegen den anderen) gegenseitig beweisen, dass wir ein gesetztes Ziel erreichen können und dann neue Ziel stecken (anders funktionieren ja auch Fitness- und Abnehmgruppen nicht).

New Work ist das Fitnessprogramm unserer ORGAnisation. Darum heißt die übrigens auch so. Und wir können uns ganz schön viel aus der Biologie abgucken. Ständiger Wandel ist da Tagesprogramm. Anpassung & Veränderung.

Wir müssen bestimmt kein „Survival of the fittest“ Programm fahren – da kommt bei uns die Soziologie helfend dazu. Aber mit 20 Minuten Denken pro Woche schaffen wir weder Innovation noch digitale Zukunft. Selbst wenn uns ein Tool wachrüttelt.

 

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