Betriebsrat im Wandel der Arbeit – Mitgestalter oder Verhinderer?

Wandel der Arbeit

Der Wandel der Arbeitswelt schreitet voran. Menschen wünschen sich mehr Freiheiten und Selbstverwirklichung. Damit einher gehen mehr Eigenverantwortung und vor allem Flexibilität in der Entscheidung wann, wo und wie arbeiten zu können. Hierdurch verändert sich die Art der Kommunikation und Zusammenarbeit in Unternehmen.

Kreativitätsecken, offene Bürolandschaften und mobiles Arbeiten gehören fast schon zum Standard. Cross-funktionale Teams und an mehreren Projekten gleichzeitig beteiligt zu sein – das ist die Zukunft. Es wird zunehmend von zu Hause, aus der Bahn oder in Co-Working Bereichen gearbeitet. Der Einsatz von neuen Tools, um eine gute Zusammenarbeit zu fördern, auch wenn man nicht an einem Ort sitzt, wird selbstverständlicher. Das hört sich doch alles super an.

Herausforderungen im Wandel der Arbeit

Doch diese Art zu arbeiten, bringt auch jede Menge Herausforderungen mit sich. Zum einen für die Mitarbeiter. Diese sind in einem System - teils über viele Jahre - sozialisiert, das Ihnen Entscheidungen vorgibt und in dem innovatives Handeln nicht die Tagesordnung ist. Und nun müssen sie eine Balance finden zwischen der guten, alten Welt und den neuen Möglichkeiten und Freiheiten, nach denen Sie selbst mittlerweile zunehmend streben.

Neben den Mitarbeitern, die sich in ihrer Haltung und den Arbeitsweisen dem neuen Arbeitsumfeld anpassen müssen, stehen auch Führungskräfte vor einem Wandel: Woher weiß ich wo mein Mitarbeiter gerade ist, was er gerade tut? Muss ich das überhaupt wissen? Vertraue ich meinen Leuten? Wie viel Spielraum lasse ich meinen Mitarbeitern, damit Entscheidungen schneller herbeigeführt werden, um der Schnelllebigkeit am Markt gerecht zu werden? Wie transparent gestalte ich meine Entscheidungen und meine Art zu arbeiten und wie sehr binde ich meine Mitarbeiter in einen Entscheidungsprozess ein?

Viele Fragen, die jedes Unternehmen in seinem ganz individuellen Rahmen betrachten und Antworten dafür finden muss. Gerade in einer Zeit, in der es wieder einen Aufschrei nach mehr Effizienz gibt, ist dies keine leichte Aufgabe für die Führungskräfte eines Unternehmens.


Die Rolle der betrieblichen Mitbestimmung

Aber heute widmen wir uns dem Betriebsrat im Unternehmen. Wie steht dieser zu solchen Themen? Und welche Rolle nimmt dieses Gremium ein? Üblicherweise schrillen bei der Mitbestimmung erstmal die Alarmglocken bei folgenden Fragestellungen.

Selbst entscheiden können wann, wo und wie man arbeitet? Aber sind die da überhaupt versichert, wie sieht es mit der Ergonomie aus und sind demnächst alle rund um die Uhr erreichbar?

Offene Bürolandschaften? Da kann sich ja niemand mehr konzentrieren, alle können sehen was auf dem Bildschirm passiert und vertrauliche Gespräche können nicht mehr stattfinden, weil man auf dem Präsentierteller sitzt.

Neue Tools, also Cloud und Collaborationstools? Sind da die Daten überhaupt sicher und wie garantieren wir, dass diese nicht eingesetzt werden, um die Leistung der Mitarbeiter zu überwachen?

Passt diese Welt in die Rolle des Betriebsrates, die das Betriebsverfassungsgesetz beschreibt?

Werfen wir hierzu einen Blick auf die Aufgaben einer betrieblichen Mitbestimmung:

Der Betriebsrat ist Repräsentant aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Er hat allgemein die Interessen der Beschäftigten gegenüber dem Arbeitgeber zu vertreten, Anregungen aus der Belegschaft zu prüfen und an den Arbeitgeber weiterzuleiten. Eine der wichtigen Aufgaben des Betriebsrats ist es, darüber zu wachen, dass die zugunsten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bestehenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen eingehalten werden.

Quelle: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Betriebliche-Mitbestimmung/betriebliche-mitbestimmung.html


Mitgestalter im Wandel der Arbeit

Mit gutem Recht sollte ein Betriebsrat all diese Punkte kritisch betrachten und in die Ausgestaltung eingebunden sein. Um Werte wie „mehr Eigenverantwortung“ zum Leben zu erwecken, gehen Unternehmen vermehrt dazu über in Fragestellung auf allen Ebenen, z. B. bei der Einstellung von neuen Kollegen oder bei der Diskussion über Gehälter, ihre Mitarbeiter einzubinden.

Die Frage, die sich hier für die Mitbestimmung stellt, ist die Rolle, die sie dabei einnehmen. Unser Tipp: seid aktive Mitgestalter dieser Möglichkeiten und nicht Verhinderer von neuen Arbeitsweisen, revolutionären Entscheidungsfindungen, dem Einsatz moderner Tools und digitalen Techniken. Seht die Chancen und Freiheitsgrade, die sich dadurch für Mitarbeiter ergeben.

In einer Welt, die viel mehr Individualität fordert und auch zulässt, ist es wichtig zu verstehen, dass Individualität auch im Unternehmen gelten muss. Nicht ALLE können oder wollen alle neuen Arbeitsweisen und -welten gleichermaßen nutzen. Aber es eröffnet eine Arbeitswelt mit mehr Möglichkeiten und diese sollten als Chance gesehen werden, um für mehr Zufriedenheit und Motivation bei den Mitarbeitern zu sorgen. Wenn der Betriebsrat voran geht und diese Chancen erkennt, sich z. B. proaktiv für Themen wie mobiles Arbeiten, moderne Technologie und Tools sowie eine attraktive Arbeitsumgebung einsetzt, kann diese DER Gewinner bei den Mitarbeitern sein. Stellt euch nicht als Gegenfront zu Unternehmensleitung, HR oder den Führungskräften auf, sondern werdet eine Einheit. Seid Impulsgeber bei all den genannten Themen und lebt eine neue Arbeitsweise vor. So könnt ihr den unsicheren Mitarbeitern frühzeitig Ängste nehmen und sie alle und euer Unternehmen gemeinsam stark für einen Wandel der Arbeit und für die Zukunft machen.

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